Wikinger, Seide und Raupen

by Chrissie

Warum Wikinger und Seide?

Draussen liegt noch Schnee und der kalte Wind pfeift mir um die Ohren. Die Zeit flieht nur so dahin – bald stehen die ersten Mittelalter-Feste wieder vor der Tür –  und das ist der Grund weshalb ich bereits jetzt mit der minutiösen Planung eines Wikinger-Kleides begonnen habe.

Der Beitrag ist darum eher als Eintrag in mein Werkbuch zu sehen und dient der Festhaltung meiner Fortschritte in ihrer Planung und deren Umsetzung.

Falls ich trotz Quellen-Angaben ein Copyright verletzt habe darfst Du mich gerne anschreiben und ich werde den Fehler beheben.

Oseberg Wikingerschiff

ID 114515695 © Ashrafulalam | Dreamstime.com

Geschichtlicher Umriss

Das Zeitalter der Wikinger begann mit dem ersten Überfall am 8. Juni 793 auf das englische Kloster St. Cuthbert.[1]  Das Kloster befindet sich in der Grafschaft Nordumbrien an der Nordostküste Englands.[2] Im 11. Jahrhundert endete die Zeit der Wikinger.

Materialien für die Kleidung

Mich persönlich interessieren vor allem die Materialien, welche von den Wikingern für die Herstellung von Kleidung verwendet wurden. Natürlich gehören hier Leinen, Wolle und Hanf dazu. Allerdings wurde Hanf wohl eher für die Taue der Schiffe verwendet als für Kleidung selbst.[3]

Woher kam die Seide?

Die Seide aus den Grabfunden in Skandinavien stammte hauptsächlich aus dem Byzantynischen Reich und aus Persien. Byzanz, das sehr strikte Einschränkungen hatte was die Herstellung von Seide betraf, betrieb aber mit diesem kostbaren Rohstoff einen schwungvollen Handel. Die Produktion und der Handel von Seide wurden durch die kaiserlichen Gilden in Konstantinopel kontrolliert. Es versteht sich von selbst, dass die Seide mit der höchsten Qualität für den Kaiser bestimmt war. Private Gilden stellten Seide in etwas minderer Qualität her.

Das Produzieren der violetten Farbe, welche aus Purpurschnecken gewonnen wurde unterlag der Kontrolle des kaiserlichen Hofes.

Was ist Samit?

Samit ist eine spezielle Bindung für ein Gewebe und wurde für die Seidenherstellung vom 4. bis Mitte 16. Jahrhundert verwendet.[4] Samit Seide wurde hauptsächlich in den Gräbern der Damen gefunden. Samit wird heute noch für kostbare Kirchengewänder verwendet.

Bischof in edlem Gewand

ID 86579635 © | Dreamstime.com

 Motive

Unter den Motiven finden sich geometrische Muster. In einem Auszug des Buches «Silk fort he Vikings» von Marianne Vedeler wird von einem Vogel mit einem Diadem im Schnabel berichtet. In Altpersisch trägt der Vogel den Namen Shahrokh und heisst so viel wie «Der Vogel des Königs».

Wer mehr erfahren möchte über die Motive, welche im Schiff von Oseberg gefunden wurden findet diverse Illustrationen in Wasserfarbe von Sofie Krafft auf Pinterest. Frau Krafft hat in minutiöser Handarbeit die Muster der gefundenen Stoff-Fragmente auf Skizzen festgehalten.

Gewobene Bänder

Es wurden auch gewobene Bänder aus Wolle gefunden die Seidenfäden wie auch Silberfäden enthielten.

Wie wurde die Seide verwendet?

Hauptsächlich wurde die Seide in Streifen gerissen und auf die Kleidung aufgenäht. Die Rückseite zeigte dabei nach oben.

Ein Sprung in die Gegenwart

Historische Stoffe Replikas

Erstaunlicherweise bin ich im Internet auf ein Stoffgeschäft in Prag gestossen, welches Replikas von historischen Stoffen herstellt. Zugegeben, es handelt sich bei diesem Brokat nicht um reine Seide sondern um ein Mischgewebe aus Viskose und Seide, aber das Muster entspricht exakt einer Skizze von Sophie Krafft, bzw. dem Design eines Stoffes, welcher im Oseberg Schiff gefunden wurde.

Bei einer Abnahme von 50 Metern gibt es sogar die Möglichkeit, sich ein individuelles Muster weben zu lassen.

Historische und kostspielige Stoffe findest Du bei Almerlin.

Der Unterschied zwischen heutigem und damaligem Leinen

Das Leinen von früher wurde handgewebt und wies deshalb viele kleine Unebenheiten auf. Selbstverständlich wird Leinen von heute maschinell hergestellt. Wenn Du Wert legst auf die Originalität Deines geplanten Kleides dann gibt es auf diversen Verkaufsplattformen verschiedene Angebote (ganze Ballen zu günstigen Preisen!) handgewobenen Leinens. Aber Achtung: Das Leinen ist in der Regel nur ca. 50-70 cm breit weil in der Regel bei einem Webstuhl die Breite des Rahmens beschränkt ist. Tipps zum Kauf von handgewobenem Leinen aus Privatverkauf findest Du bei Luzine Happel.

Webstuhl

ID 33131769 © Pavel Parmenov | Dreamstime.com

Natürlich sind auch die Farben ein wichtiges Kriterium. Sie haben teilweise individuelle Bedeutungen und für deren Herstellung wurden Pflanzen oder Tiere verwendet.

Historisch korrekt vs. teuer

Auch im Bezug auf die Anschaffungskosten der Materialien sollte man sich vorgängig einige Gedanken machen. Legst Du mehr wert auf die Originalität der Kleidung oder möchtest Du eher ein preiswertes Kleid?

Gewobene Bänder

Ehrlich gesagt würde ich jetzt nicht so weit gehen, dass ich auch noch die Bänder selbst webe. Das überlasse ich denjenigen die es können. Ich kann mich natürlich an meine Kindheit erinnern und daran, dass ich auch schon einmal etwas in einem selbst gebastelten Webrahmen kreiert habe aber von einem kunstvollen Muster fehlte da jede Spur. Das Band sollte meiner Meinung nach schon handgewoben sein und das bitteschön aus Wollfäden.

Etwas zu der Herstellung von Seide

Seiden-Kokons

 ID 33597938 © Mykola Ivashchenko

Seide wird aus den Kokons von Seidenraupen hergestellt. Es gibt den Maulbeerspinner (Bombyx Mori L), welcher sich ausschliesslich von den Blättern von Maulbeergewächsen ernährt. Daneben gibt es auch noch den Tussahspinner und den Sacrote oder Eichenspinner. Sie produzieren Fibroin und Serocin daraus entsteht der Seidenfaden. Um den Faden des Kokons zu entwirren muss der Klebstoff entfernt werden. Das geschieht mit heissem Wasser oder Wasserdampf. Dabei sterben die Raupen im Inneren des Kokons. Nun kann man natürlich argumentieren, dass Raupen kein Schmerzempfinden haben. Allerdings gibt es für Interessierte eine Alternative: Peace Silk. Der Kokon wird erst weiterverarbeitet, wenn die Raupen geschlüpft sind. Bei der Wildseide ist die Herstellung äquivalent.

Nachtrag: Auf der Webseite petauk (englischsprachige Webseite) wird allerdings spezifisch darauf aufmerksam gemacht, dass es auch bei Seidenstoffen mit dem Label „Peace Silk“ schwarze Schafe gibt. Wer also ganz sicher gehen möchte muss sich daher für eine andere Lösung entscheiden.

Fazit

Selbstverständlich erhebe ich keinen Anspruch auf die Vollständigkeit dieses Beitrags. Es ist lediglich ein Kratzen an der Oberfläche und es gäbe noch so viel Spannendes zu entdecken. Vielleicht hast Du etwas Neues entdeckt, das Dich interessiert oder mein Beitrag dient als Ansporn für das Erlernen einer neuen Technik. Ich werde jetzt versuchen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren habe jedoch dabei erkannt, dass noch einiges an Recherche-Arbeit nötig ist bevor ich mich überhaupt mit der Schnitt-Technik aus dieser Zeit beschäftigen kann.

Quellen-Nachweise

Silk for the Vikings
Autorin: Marianne Vedeler
ISBN: 9781782972150
Published by: Oxbow Books

 

[1] https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag7554.html
[2] http://wikinger-normannen.ch/?page_id=644
[3] http://www.nornirsaett.de/wikinger-voelvas-und-drogenhanf/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Samit

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