Rucksack Rudi

by Chrissie

Taschen sind nicht mein Ding. Nein ehrlich! Wie ich es dennoch geschafft habe den Kinder-Rucksack Rudi nach einem Schnittmuster von Lillesol und Pelle zu nähen, was für Fehler ich dabei gemacht habe und was ich für Tipps weitergeben kann, das alles erfährst Du in diesem Beitrag.

Kinder-Rucksack Rudi

Das klingt so harmlos, ein Rucksack namens Rudi. Wie schwer kann das sein? Da mein Patenkind dringend einen kleinen praktischen Rucksack für den Vorstufen-Kindergarten benötigt wage ich mich guten Mutes und mit viel Freude im Herzen an das neue Projekt heran. Das Schnittmuster war schnell gekauft und heruntergeladen. Bereits zu dem Zeitpunkt fiel mir auf, dass der Rucksack doch aus sehr vielen Teilen besteht, was mir in meiner überschäumenden Begeisterung in der Facebook-Tester-Gruppe für den Nähpark beim Anblick des Rucksacks Rudi von Fräulein An gar nicht so sehr aufgefallen ist. Nun denn, die Bedenken beiseite geschoben geht es frisch ans Werk.

Schnittmuster ausschneiden

Zuerst werden alle Teile des Schnittmusters ausgeschnitten. Was mir in meiner Hektik nicht aufgefallen ist: Auf dem Vorder- und Rückteil des Schnittmusters für den Rucksack stand „Bruch“ an der Mittellinie. So habe ich denn verzweifelt nach dem relativ zentralen Schnittmusterteil gesucht. Ja so ist das halt, und wie heisst es so schön? Aus Fehlern lernt man.

Nimm Dir Zeit für die Vorbereitung des Schnittmusters. Überlege bereits zum jetzigen Zeitpunkt wie der Ablauf und die Reihenfolge des Nähens sein soll. Das E-book enthält nur wenige zusätzliche Anregungen bzw. Varianten der Ausführung.

Anfängerin?

Was das Taschen-Nähen betrifft absolut! Ich mag keine Taschen nähen und das Wenden und Drehen des Innenfutters ist mir ein Greuel. Aber genug gejammert, jetzt geht es endlich los mit dem eigentlichen Tutorial respektive meinen persönlichen Tipps und Erkenntnissen. Ich stelle keinen Anspruch auf die Korrektheit aller ausgeführten Schritte und bin natürlich, wie immer,  für zusätzliche Anregungen dankbar.

Nicht jeder Arbeitsschritt ist in Bildern festgehalten oder genau ausdokumentiert.

Material

Der Oberstoff ist ein mattes Wachstuch namens „Wildwood“ aus dem Hause Clarke & Clarke, England. Gekauft habe ich ihn in der Schweiz bei zickzackzuck. Auch die Kombi-Stoffe, beschichtetes Leinen „dusty yellow“ und „light blue“ (ausverkauft!) sind aus diesem Shop. Übrigens gibt es den Stoff „Wildwood“ auch als Baumwollstoff zu kaufen.

Für die Ziernähte benutze ich in der Regel Madeira Rayon 40 und für das Nähgarn was gerade da ist. In der Regel aber stets qualitativ hochwertige Garne wie Gütermann und Mettler.

Der Reissverschluss sowie die Ösen und D-Ringe sind aus dem Nähkaufhaus.

Taschenboden (Plastik-Framin) und Klettverschluss wurden bei Christinas Creativ Point erworben.

Ich erwähne die Materalien und den jeweiligen Shop damit ich später noch weiss womit ich gearbeitet habe und falls jemand gleiches Material verwenden möchte oder auf der Suche nach ähnlichen Stoffen ist. Uneigennützige Werbung heisst das wohl.

Zuschneiden der Schnittteile

Lass Dir Zeit für das Zuschneiden der einzelnen Teile. Versuche möglichst exakt zu arbeiten. Es lohnt sich!

Die Paspel

Ich mag Paspeln. Auch wenn sie etwas Mehraufwand bedeuten. Sie geben ein schönes „Finish“ und sind für mich das i-Tüpfelchen für jedes Projekt. Was mir persönlich sehr gut gefällt sind Paspeln, welche aus demselben Stoff hergestellt werden. Mit einem speziellen Paspelfuss und einer Kordel ist das kein Problem.

Der Stoff für die Paspel muss schräg zum Fadenlauf zugeschnitten werden. Das ist vor allem wichtig, wenn das Projekt nicht quadratisch ist damit die Elastizität erhalten bleibt und sich die Paspel schön um die Rundungen legen kann.

Die Stoffstreifen werden aneinandergenäht. Dabei wird die Kordel eingearbeitet.

Da sich die Kordel genau in die Rille des Paspelfusses legt und durch diese geführt wird ist dieser Arbeitsschritt sehr rasch erledigt.

Lasche und Tascheklappe

Achtung! Es gibt zwei Klappen für die Tasche. Eine ist nur für die Blasebalg-Tasche, die grössere ist für den Rucksack selbst. Übrigens fehlen Erklärungen zum Annähen der Lasche des Rucksacks, es wird nur das Annähen der Lasche an die Blasebalg-Tasche erklärt.

Im ersten Schritt habe ich die Lasche fertig gestellt, mit Paspel und Innenfutter versehen und abgesteppt.

Ich habe zwar bei der Auswahl des Stoffmusters für die Lasche darauf geachtet ein schönes Motiv auszuwählen, dabei aber ausser Acht gelassen, dass ich eigentlich einen Kam-Snap befestigen wollte. Um dem Eichhorn kein Piercing verpassen zu müssen habe ich mich nach der Fertigstellung des Rucksacks für eine Variante mit Klettband-Verschluss entschieden.

 

Wenn der Kam-Snap am Innenfutter VOR dem Zusammennähen der Lasche angebracht wird ist er von aussen nicht sichtbar. Dafür war es jetzt in meinem Fall leider bereits zu spät.

Die Lasche wird an die Taschenklappe angenäht. Und  hier hat sich bereits mein erster Fehler eingeschlichen. Die Lasche muss beim Annähen über der Paspel liegen.

Ist die Lasche korrekt angenäht sieht das dann so aus:

Nun fehlt noch das Futter für die Taschenklappe. Die Lasche wird dabei nach oben geklappt und kommt zwischen Oberstoff und Innenfutter zu liegen.

Sind Paspel und Futter angenäht werden die Rundungen und Nahtzugaben zurückgeschnitten. Die Arbeit wird gewendet und im letzten Schritt mit einem Ziergarn abgesteppt. Dazu wird die Stichlänge auf ca. 3.0 erhöht.

 

Seitentaschen

Die Seitentaschen mit Ösen versehen. Das Werkzeug von Prym kann ich nicht uneingeschränkt empfehlen. Es ist mir zu wackelig. Sollte ich in Zukunft mehr Ösen anbringen wollen, was zu bezweifeln ist,  werde ich mich auf jeden Fall nach einer geeigneteren Alternative umsehen müssen.

Besonders bei luftig gewebten Stoffen würde ich empfehlen Patches zu verwenden, damit der Stoff nicht ausreissen kann. Im Beispiel wurden die Patches aus Leder hergestellt.

Auch die Paspel darf nicht vergessen werden. Es wird eine Gummischnur durch die Ösen gezogen und jeweils ein Kordelstopper befestigt.

Wenn keine Kordelstopper in der passenden Farbe zu finden sind sehen transparente Kurzwaren auch sehr schön aus.

Würde ich den Rucksack Rudi ein zweites Mal nähen (was äusserst unwahrscheinlich ist) müsste ich die Seitentaschen für meinen Zweck etwas modifizieren. Mir fehlte definitiv etwas Weite und Höhe, wollte man darin eine Trinkflasche transportieren.

Windeltasche

Wer sich für einen Rucksack mit Windeltasche entschieden hat kann diese jetzt an das Innenfutter annähen.

Die überschüssigen Ecken des Windeltaschen-Fachs exakt den Rundungen des rückwärtigen Futterteils entlang abschneiden. Dadurch kann die Nahtzugabe entlang der Rundungen präzise eingehalten werden.

Ungleichmässig lange Stiche?

Indem ein abreissbares Vlies verwendet wird kann vermieden werden, dass sich, bedingt durch die Webart des Stoffes, ungleichmässig lange Stiche ergeben.

 

Aufgesetzte Blasebalg-Tasche

Nach dem Annähen der Paspel wird der Seitenstreifen angebracht.

Bei der Verarbeitung von Wachstuch und/oder anderen beschichteten Stoffen muss auf das Fixieren mit Stecknadeln verzichtet werden, da dadurch Löcher im Material entstehen könnten, welche später sichtbar bleiben.

Einnähen des Futterstoffes an die Blasebalgtasche.

Vorderansicht der gewendeten Blasebalgtasche.

Die Blasebalgtasche wird oben abgesteppt, somit ist auch die Wendeöffnung geschlossen.

 

Die Blasebalg-Tasche soll drei Zentimeter vom Rand entfernt mittig auf der Vorderseite des Rucksacks angebracht werden.

Um die Blasebalg-Tasche auf dem Wachstuch vor dem Absteppen zu fixieren habe ich doppelseitiges schmales Klebeband verwendet.

Mein zweiter Fehler: Das Klebeband wurde da befestigt wo ich eigentlich nähen wollte. Ein unmögliches Unterfangen. Daher mein Tipp: Befestige das Klebeband weiter weg vom Rand, da knappkantig abgesteppt wird. Es kann im Anschluss mühelos entfernt werden.

Absteppen klappt mit dem Reissverschluss-Fuss (und Doppeltransport-Halter schmal) prima.

Unterstützung bietet dabei das Acufeed-Flex-System meiner Janome 9400 QCP und die Gleitstichstichplatte, welche insbesondere für das Nähen mit schwer transportierbaren Stoffen empfohlen wird.

Die Blasebalgtasche ist jetzt an der Vorderseite des Rucksacks angenäht.

In den Rundungen ist es ratsam sehr langsam zu nähen. Verfügt die Nähmaschine über die Einstellung den Näh-Fuss beim Anhalten automatisch anzuheben (Auto-Pivot) so ist es empfehlenswert diese zu aktivieren.

Reissverschluss

Futter und Oberstoff werden an den Reissverschluss angenäht. Damit sich nichts verschiebt rate ich auch hier dringend zur Verwendung von Klebeband. Natürlich immer im Hinblick auf die gewählten Stoffe. Bei reinen Baumwollstoffen wird das weniger zum Problem.

 

 

Sind Futter und Oberstoff des Reissverschluss-Streifens angenäht wird knappkantig abgesteppt. 

Adressfeld

Ich habe versucht das Adressfeld aus dem beschichteten Stoff zu nähen. Allerdings muss ich ehrlich zugeben, dass ich die Ecken niemals so exakt hätte ausarbeiten können wie sich das in meiner Welt gehört. Daher habe ich mich entschieden das Reststück eines Leders zu verwenden. Auf die Rückseite habe ich ganz einfach ein Stück dickes Plastik von einer Scrapbook-Zeigemappe geklebt und dieses oben festgesteppt.

Für ein andermal würde ich biegsameres Plastik wählen. Durch das letzte Wenden des gesamten Rucksacks hat sich das Material leicht verbogen und es haben sich zwei kleine Knicke gebildet.

 

 

 

So lassen sich die Ecken doch sehen, oder?

Ein zweites Absteppen des inneren Quadrats kann ich nicht mehr in Erwägung ziehen, da ich leider vergessen habe die zweite obere Seite vor dem Anbringen abzusteppen.

Taschengurte

Die Taschengurte sind drei Zentimeter breit.

Darauf achten, dass der Gurt in der Mitte (Naht und Falte des Stoffes) angenäht wird. Bei dicken Stoffen etwas mehr Nahtzugabe geben da sich die Gurte sonst nur ganz schwer wenden lassen. Ein Vlies miteinzuarbeiten hätte bestimmt für mehr Komfort und Stabilität gesorgt. Ein Tipp, der meiner Meinung nach definitiv in eine Nähanleitung hineingehörte.

 

Sind die Gurte an die Träger angenäht und gewendet werden sie abgesteppt.

Im nächsten Schritt können die Gurte bereits an die Rückseite des Rucksacks angenäht werden. Wer möchte kann im selben Schritt auch noch einen Aufhänger befestigen.

Darauf achten, dass das Webband zwei schöne Seiten hat. Bei meinem ist das leider nicht der Fall. Alternativ kann natürlich auch ein Stück schmales Gurtband verwendet werden.

Dann wird die Paspel an die Rückseite des Rucksacks genäht.

Futter, Seitenstreifen, Reissverschluss und Seitentaschen

Zuerst wird die Futter-Innentasche zusammengenäht.

Die Seitentaschen werden auf den Taschenstreifen, links und rechts aufgenäht. Der Taschenstreifen wird mit dem Reissverschlussstreifen verbunden, was in einem geschlossenen Ring resultiert. Das Futter des gesamten Rucksacks ist bereits zusammengenäht.

Vorder- und Rückseite

Das Anspruchvollste ist es wohl die Vorder- und Rückseite an den Taschenstreifen samt Reissverschluss-Streifen anzunähen.

Doch zuvor nicht vergessen die Paspel anzunähen.

Unsichtbares Zusammenfügen des Paspelstreifens

Und der dritte und letzte Fehler, die unteren Gurtbänder mit den D-Ringen sind falsch angenäht. Sie müssen in Richtung Tasche zeigen. Das liess sich aber glücklicherweise nachträglich ohne Probleme korrigieren.

Ich habe etwas Neues ausprobiert. Vor dem Zusammenfügen habe ich die Naht der Paspel geöffnet und die Streifen so zusammengenäht wie man das bei einer Einfassung für einen Quilt machen würde.

Die Enden der Kordel können mit einem Klebestreifen nahtlos umwickelt werden. Anschliessend wird der Paspelstreifen wieder zusammengenäht. Lediglich beim Vernähstich bin ich etwas verrutscht. Fertig ist das unsichtbare Zusammenfügen einer Paspel.

 An der Stelle zeigt es sich dann ob exakt gearbeitet wurde. Wenn die Schnittteile präzise zugeschnitten und die Nahtzugaben auch an allen Stellen korrekt eingehalten wurden sollten sich keine Probleme ergeben.

 

Fast geschafft, nach dem Anbringen der Paspel am Vorderteil wird nun endlich der zweitletzte Arbeitsschritt getan: Das Annähen der Vorderseite analog der Rückseite.

Bevor ich jetzt aber das Innenfutter schliesse habe ich mich dazu entschlossen einen Boden in meinen Rucksack einzuarbeiten. Damit der Rucksack, welcher aussen aus abwaschwaren Stoffen besteht, wasserabweisend bleibt, soll der Taschenboden aus Plastik-Framin sein.

Das Material wird auf die Grösse des Bodens zugeschnitten und mit doppelseitem Klebeband an der Innenseite des Oberstoffes festgeklebt.

Anschliessend wird das Innenfutter geschlossen. In meiner Welt ist das Handarbeit.

Das Label befindet sich auf der Windel-Innentasche.

Ein bestickter Filzstoff-Patch mit beschichteter Leinenstoff-Rückseite ziert die Seitentasche.

Somit ist der Rucksack „Rudi“ endlich fertig und wartet sehnsüchtig darauf am St. Nikolaus-Tag vom Nikolaus höchst persönlich meinem Patenkind überbracht zu werden.

2 Kommentare

Tanja Dezember 10, 2018 - 7:12

Ich kenne NIEMANDEN, der sich so viel Mühe von A bis Z gibt wie Du! Egal, ob vorbereiten, nähen, fotografieren oder drüber schreiben. Ich liebe das!

Liebe Grüße
Tanja

Antworten
Chrissie Dezember 10, 2018 - 7:41

Oh was für ein Kompliment ☺️. Vielen Dank das freut mich sehr 😊.

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